FM-Zielbild und Strategien für Finanzinstitute
Facility Management: Banken & Versicherungen » FM‑Zielbild
Facility Management in Banken und Versicherungen ist keine vom Kerngeschäft getrennte Unterstützungsfunktion
Das Facility Management stellt für alle Geschäftsbereiche und Standorte dauerhaft sichere, verfügbare, regelkonforme, resiliente, nachhaltige und wirtschaftliche Betriebsbedingungen bereit. Es schützt Menschen, Kundendaten, Sachwerte und Reputation, ermöglicht die kontinuierliche Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und entwickelt das Immobilien- und Standortportfolio vorausschauend weiter.
- Hierarchie
- Zielbereiche
- Kerngeschäft
- Standortwelten
- Zukunftsfähiges FM
- FM-Leistungen
- Zielsystem
- Zielkarten
- Prioritäten
- Bezugsrahmen
- Themencluster
Banken und Versicherungen sind auf Vertrauen, Verfügbarkeit und sichere Prozesse angewiesen
Kundinnen und Kunden erwarten erreichbare Dienstleistungen, geschützte Informationen und verlässliche Ansprechpartner. Beschäftigte benötigen funktionierende Arbeitsplätze, sichere Gebäude und geeignete Räume für konzentrierte, kollaborative und vertrauliche Tätigkeiten. Aufsichtsbehörden erwarten eine belastbare Geschäftsorganisation, wirksames Risikomanagement und nachweisbare Vorsorge für Betriebsstörungen.
Das Facility Management schafft hierfür die räumlichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen.
Es stellt sicher, dass Hauptverwaltungen, Handels- und Servicebereiche, Rechenzentrumsinfrastrukturen, Kundenstandorte, Filialen, Agenturen und Selbstbedienungszonen entsprechend ihrer geschäftlichen Bedeutung betrieben werden. Dabei reicht das Aufgabenspektrum von der Strom-, Kälte- und Kommunikationsversorgung über Brandschutz, Zutritt und Instandhaltung bis zu Flächenmanagement, Reinigung, Empfang, Arbeitsplatzservices, Energie, Datenmanagement und Dienstleistersteuerung.
Das Zielsystem folgt einer klaren Hierarchie
| Ebene | Inhalt | Zweck |
|---|---|---|
| FM-Zielbild | Langfristige Vision für das Immobilien- und Facility Management | Orientierung für Geschäftsleitung, FM, Asset Management und Kontrollfunktionen |
| Strategische Zielbereiche | Zwölf geschäftsbezogene Wirkungsfelder | Übersetzung der Unternehmensstrategie in FM-Prioritäten |
| Operative Teilziele | Konkret messbare Ziele innerhalb jedes Wirkungsfeldes | Steuerung von Standorten, Anlagen, Services, Projekten und Dienstleistern |
Die zwölf strategischen Zielbereiche sind:
Kerngeschäftsunterstützung und Standortportfolio
Governance, Compliance und Betreiberverantwortung
Business Continuity, Resilienz und Krisenfähigkeit
Schutz, Sicherheit und Datenschutz
Technischer Betrieb und Asset Performance
Energie, ESG und Klimafähigkeit
Digitalisierung, Smart Buildings, Daten und künstliche Intelligenz
Arbeitswelten, Gesundheit, New Work und Inklusion
Kundenstandorte, Filialen und Selbstbedienungsbereiche
Infrastrukturelle Services, Logistik und Mobilität
Wirtschaftlichkeit, Beschaffung und Dienstleistersteuerung
Planen, Bauen, Inbetriebnehmen und kontinuierlich verbessern
Das Kerngeschäft bestimmt die FM-Prioritäten
Nicht jedes Gebäude und nicht jede Anlage benötigt dieselbe Verfügbarkeit. Entscheidend ist, welche Geschäftsleistung von einer Fläche, einem technischen System oder einem Service abhängt.
Für einen Handelsstandort können Stromversorgung, Kühlung, Zutritt, Kommunikationsinfrastruktur und Arbeitsplatzausstattung unmittelbar geschäftskritisch sein. In einem Schadenservicezentrum stehen Erreichbarkeit, Arbeitsplatzkapazität, Akustik und Kommunikationssysteme im Vordergrund. Eine Filiale mit Bargeldverkehr benötigt besondere Maßnahmen gegen Überfälle, für Wertschutz und Alarmierung. Eine bargeldlose Beratungsfiliale benötigt dagegen vor allem vertrauliche Beratungsräume, digitale Verfügbarkeit, Barrierefreiheit und einen wirtschaftlich standardisierten Betrieb.
Die räumlichen und technischen Abhängigkeiten dieser Leistungen werden ermittelt, bewertet und in angemessene Betriebs-, Sicherheits- und Wiederherstellungsziele übersetzt.
Das Zielsystem beginnt deshalb nicht bei Gebäuden oder Gewerken, sondern bei den zeitkritischen Leistungen von Banken und Versicherungen:
Zahlungsverkehr und Kontoführung;
Kundenberatung und Vertrieb;
Kredit- und Wertpapiergeschäft;
Handel und Treasury;
Schadenaufnahme und Schadenregulierung;
Vertrags- und Bestandsverwaltung;
Kundenservice und Callcenter;
Risikomanagement, Compliance und Interne Revision;
IT-Betrieb, Datenverarbeitung und Informationssicherheit;
Krisensteuerung und Unternehmenskommunikation.
Ein Zielbild für unterschiedliche Standortwelten
Das Immobilienportfolio von Banken und Versicherungen ist heterogen. Es reicht von komplexen Campus- und Hochhausstandorten bis zu kleinen, angemieteten Beratungsstellen. Ein einheitliches Zielsystem ist dennoch möglich, wenn Standards nach Nutzung und Kritikalität differenziert werden.
Große technisierte Standorte benötigen eine integrierte Betreiberorganisation, technische Leitstände, klare Anlagenverantwortung, risikoorientierte Instandhaltung, Notstrom- und Ersatzversorgung, umfassende Sicherheitskonzepte sowie ein enges Zusammenspiel von Facility Management, IT, Informationssicherheit, Business Continuity und Krisenmanagement.
Kleine Filialen und Agenturen benötigen vor allem robuste Standards, einfache Bedienbarkeit, zentrale Überwachung, verlässliche Entstörung, klare Vermieter- und Betreibergrenzen sowie ein risikobasiertes Sicherheits- und Servicekonzept. Der einzelne Standort soll mit möglichst geringem lokalem Verwaltungsaufwand funktionieren, ohne dass Sicherheit, Kundenerlebnis oder Regelkonformität beeinträchtigt werden.
Das FM-Zielbild richtet den Blick über die heutige Betriebsfähigkeit hinaus:
Digitale und intelligente Gebäude liefern belastbare Betriebsdaten, erkennen Abweichungen frühzeitig und ermöglichen eine bedarfsorientierte Steuerung. Digitalisierung wird jedoch nicht an der Zahl installierter Sensoren gemessen, sondern an ihrer Wirkung auf Verfügbarkeit, Energieeinsatz, Servicequalität und Entscheidungsfähigkeit.
ESG und Nachhaltigkeit werden von einer Berichtspflicht zu einer Portfoliostrategie weiterentwickelt. Gebäude werden nach Energieverbrauch, Emissionen, Klimarisiken, Anpassungsfähigkeit und langfristiger Nutzbarkeit bewertet. Die europäische Gebäuderichtlinie verfolgt das Ziel eines emissionsfreien Gebäudebestands bis 2050; das deutsche Energieeffizienzgesetz enthält abhängig vom Energieverbrauch Anforderungen an Energie- oder Umweltmanagementsysteme.
Moderne Arbeitswelten verbinden hybride Arbeit, konzentrierte Wissensarbeit, vertrauliche Kundengespräche, Zusammenarbeit und soziale Begegnung. Desk Sharing und mobile Arbeit müssen dabei in Gefährdungsbeurteilung, Ergonomie, Raumklima, Akustik und betriebliche Regeln eingebunden werden.
Resilienz und Notfallmanagement betrachten Gebäude, technische Anlagen, Personal, Dienstleister, IT und Kommunikation als zusammenhängende Ressourcen. Der BSI-Standard 200-4 bezieht Gebäude und Infrastruktur ausdrücklich in das Business Continuity Management ein und unterstützt die strukturierte Vorsorge für zeitkritische Geschäftsprozesse.
Vom Ziel zur überprüfbaren Leistung
Jeder Zielbereich wird durch Kennzahlen, Verantwortlichkeiten und Eskalationsregeln operationalisiert.
Führungskräfte erhalten damit ein Instrument, um Zielkonflikte transparent zu entscheiden:
Verfügbarkeit gegen Kosten;
Flächeneffizienz gegen Resilienz;
Offenheit gegen Sicherheit;
Komfort gegen Energieverbrauch;
Digitalisierung gegen Datenschutz;
Standardisierung gegen lokale Nutzungsanforderungen;
kurzfristige Einsparungen gegen langfristigen Substanzerhalt.
Das Zielsystem besitzt zwei Hierarchieebenen unterhalb des übergeordneten FM-Zielbildes
| Hierarchie | Definition | Beispiel |
| Strategisches Ziel | Beschreibt die angestrebte Wirkung für Kerngeschäft, Risiko, Menschen, Werte oder Zukunftsfähigkeit | „Kritische Geschäftsleistungen werden durch resiliente Standorte und technische Infrastrukturen abgesichert.“ |
| Operatives Teilziel | Beschreibt einen konkreten, messbaren Zustand | „Für alle zeitkritischen Geschäftsprozesse sind räumliche und technische Abhängigkeiten, RTO und Rückfalllösungen dokumentiert.“ |
Jedes Ziel erhält eine einheitliche Zielkarte
| Ziel-ID | Eindeutige Kennzeichnung |
|---|---|
| Zielaussage | Gewünschter Ergebniszustand |
| Kerngeschäftsbezug | Unterstützte Geschäftsleistungen |
| Geltungsbereich | Portfolio, Standorttyp, Gebäude, Anlage oder Service |
| Wirkungskennzahl | Ergebnis- oder Risikoindikator |
| Frühindikator | Hinweis auf drohende Zielabweichung |
| Zielwert | Verbindlicher Sollwert |
| Warnschwelle | Managementaufmerksamkeit erforderlich |
| Kritische Schwelle | Unmittelbare Eskalation erforderlich |
| Verantwortliche Rolle | Rechenschaftspflichtige Funktion |
| Mitwirkende Rollen | Fachbereiche und Kontrollfunktionen |
| Maßnahmen | Projekte, Prozesse und Investitionen |
| Nachweis | Systemauswertung, Prüfbericht oder Protokoll |
| Review | Überprüfungsrhythmus |
Prioritätsordnung
Ziele dürfen nicht rein mathematisch gegeneinander verrechnet werden.
Sicherheits-, Compliance- und kritische Resilienzziele sind als Gating-Ziele auszugestalten. Ein schwerwiegender Verstoß kann nicht durch gute Kosten-, Flächen- oder Zufriedenheitswerte kompensiert werden.
Für Banken und Versicherungen empfiehlt sich folgende Entscheidungsreihenfolge:
Schutz von Leben und Gesundheit
Rechtliche, aufsichtsrechtliche und genehmigungsbezogene Anforderungen
Datenschutz und Informationsschutz
Kontinuität kritischer Geschäftsleistungen
Schutz von Umwelt, Sachwerten und Reputation
Technische und organisatorische Resilienz
Lebenszykluswert und Wirtschaftlichkeit
Nutzer- und Servicequalität
Innovation und Komfortoptimierung
Regulatorischer und fachlicher Bezugsrahmen
| Themenfeld | Bedeutung für das FM-Zielsystem |
|---|---|
| DORA | Governance, digitale operationale Resilienz, Wiederherstellung, Tests, IKT-Drittdienstleister und physische Komponenten der IKT-Infrastruktur |
| MaRisk | Risikoorientierte Geschäftsorganisation, Ressourcen, Notfallmanagement, Auslagerungen, Dokumentation und Interne Revision; aktuelle Fassung vom 30. Juni 2026 |
| MaGo für Solvabilität-II-Unternehmen | Geschäftsorganisation, Governance und risikoorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen |
| Solvency-II-Governance | Versicherungsunternehmen müssen unter anderem eine Geschäftsfortführungsstrategie sowie geeignete Governance- und Outsourcing-Regelungen vorhalten. |
| Datenschutzrecht | Zweckbindung, Datenminimierung, Datenschutz durch Technikgestaltung und Sicherheit der Verarbeitung betreffen Zutritt, Video, Arbeitsplatz-, Belegungs- und Sensordaten. |
| Arbeitsschutz und Arbeitsstätten | Gefährdungsbeurteilung, Ergonomie, Raumklima, Bildschirmarbeit und ortsflexible Arbeit müssen in Arbeitsplatzkonzepte integriert werden. |
| Überfallprävention | Betriebsstätten mit Bargeld oder Wertsachen benötigen eine Gefährdungsbeurteilung, geeignete Gestaltung, Alarmierung, Unterweisung und funktionsfähige Sicherheitseinrichtungen. |
| Barrierefreiheit | Das BFSG erfasst unter anderem Bankdienstleistungen und bestimmte Selbstbedienungsterminals wie Geldautomaten; die grundsätzliche Anwendbarkeit begann am 28. Juni 2025, wobei Übergangsregelungen zu beachten sind. |
| Energie und Gebäude | Energieeffizienzgesetz, Gebäudeenergieanforderungen und die europäische Gebäuderichtlinie beeinflussen Messkonzepte, Managementsysteme und Dekarbonisierungsfahrpläne. |
| Klimarisiken | BaFin betrachtet physische und transitorische Nachhaltigkeitsrisiken als relevante Bestandteile des Risikomanagements von Banken und Versicherern. |
Abdeckung der FM-Themen
| Themencluster | Eingebundene A–Z-Themen |
|---|---|
| Strategie und Führung | Strategie, Organisation, Stakeholder, Kommunikation, Personal, Mitbestimmung, Qualität, Audit, Risiko, Wert, Markt, Methoden, Interimsmanagement, Mediation, Vereinbarungen |
| Portfolio und Planung | Gebäude, Masterplan, Konzeption, Design, Flächenmanagement, Vermessung, Gewerbemietvertrag, Standortservices |
| Planen und Bauen | Baubegleitung, Baurevision, ausführungs- und betriebsgerechte Werkplanung, BIM, CAD-, CAE- und TGA-Standards, Mangelanspruchsmanagement |
| Technisches FM | Elektrotechnik, elektrische Sicherheit, Heiztechnik, Raumlufttechnik, Sanitärtechnik, Trinkwasser, Licht, Aufzüge, Gebäudeautomation, MSR, Instandhaltung, technische Dokumentation |
| Sondertechnik | Energieerzeugung, Sprinkler, Druckluft, Gase, Fluidmanagement, Werkstätten, Krananlagen und weitere Anlagen, soweit am jeweiligen Standort vorhanden |
| Infrastrukturelles FM | Reinigung, Empfang, Hospitality, Betriebsgastronomie, Post, Archiv, Entsorgung, Außenanlagen, Hausmeister- und Handwerkersteuerung |
| Arbeitsplatz und Nutzer | Büro, Besprechungsräume, Homeoffice, New Work, Inklusion, Barrierefreiheit, Wegeleitung, Gesundheit, Arbeitsmedizin |
| Mobilität und Logistik | Mobilitäts-, Fuhrpark- und Parkraummanagement, Transport, Umzüge, Lager, Textil- und Wäschelogistik |
| Sicherheit | Arbeitsschutz, Betreiberverantwortung, Brandschutz, Evakuierung, Security, Zutritt, Sicherheitstechnik, Überfallprävention, Fremdfirmenmanagement |
| Resilienz | BCM, Notfall- und Krisenmanagement, Flutschutz, Betriebsfeuerwehr, Risikomanagement |
| Digitalisierung | CAFM, BIM, IT-Infrastruktur, Telekommunikation, WLAN, ITIL, Datenmanagement, künstliche Intelligenz und Innovation |
| ESG | Nachhaltigkeit, Umweltmanagement, Energiemanagement, Energieerzeugung, Entsorgung, Fördermittel und Dekarbonisierung |
| Einkauf und Leistung | Einkauf, Ausschreibung, Verhandlungsverfahren, Wartungsverträge, Service Desk, Cockpit, Controlling und Versicherungen |
